Endlagerung


radioaktiver


Abfälle

Die multimediale Endlagerausstellung des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit gibt einen Überblick über die unterschiedlichen Aspekte der Lagerung radioaktiver Abfälle und das Standortauswahlverfahren.

3D-visualisierte Ansicht der beiden Infocontainer. An der Außenplane ist groß der Schriftzug „Schatz, bringst du bitte mal den Müll runter?“ platziert.

Gemeinsam


Verantwortung


übernehmen

Nach dem Reaktorunfall von Fukushima beschloss der Deutsche Bundestag im Jahr 2011 mit breiter Mehrheit den Ausstieg aus der Kernenergie und den Ausbau der erneuerbaren Energien. Im Jahr 2022 wird das letzte Kernkraftwerk in Deutschland abgeschaltet. Damit ist der Konflikt um Pro oder Contra der Kernenergie beendet, der die Gesellschaft viele Jahre tief gespalten hat.

Doch eine wichtige Frage ist ungelöst:

Was passiert mit den hochradioaktiven Abfällen, die noch hunderttausende Jahre strahlen und sich gegenwärtig in Zwischenlagern befinden?

Das Standortauswahlgesetz (StandAG) bildet die Grundlage für die Suche nach dem bestmöglichen Endlager in Deutschland. Die Suche soll ergebnisoffen, wissenschaftsbasiert und unter breiter Beteiligung der Öffentlichkeit erfolgen. Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) koordiniert als Genehmigungs-, Aufsichts- und Regulierungsbehörde die Endlagersuche und die Öffentlichkeitbeteiligung.

Das BfE stellt in dieser Ausstellung grundlegende Informationen zum Themenbereich Endlagerung radioaktiver Abfälle zur Verfügung:

  • Wie haben sich die Nutzung der Kernenergie und die Endlagersuche in Deutschland entwickelt?
  • Welche unterschiedlichen Arten radioaktiver Abfälle gibt es, woher kommen und wo lagern sie?
  • Wie soll der Standort für ein Endlager gefunden werden und welche Kriterien muss er erfüllen?
  • Welche Lösungsansätze werden in anderen Ländern verfolgt?

Was ist


eigentlich


Radioaktivität?

Schwach- und


mittelradioaktive


Abfälle

Hochradioaktive


Abfälle

Vergleich


Aktivität und Volumen


radioaktiver Abfälle

Grafik: Ein Säulendiagramm zum Vergleich von Aktivität und Volumen radioaktiver Abfälle. Die wärmeentwickelnden überwiegend hochradioaktiven Abfälle werden durch einen CASTOR-Behälter symbolisiert. Die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung werden durch die typischen gelben Fässer dargestellt.

Prognose der anfallenden hochradioaktiven sowie schwach- und mittelradioaktiven Abfälle bis 2050 in Deutschland.

Stand: 01.03.2017

AKTIVITÄT:

ca. 99 %* Wärme entwickelnde Abfälle
(hochradioaktiv)
ca. 1 %* Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung
(schwach- und mittelradioaktiv)

VOLUMEN:

ca. 27.000 m³ Wärme entwickelnde Abfälle**
(überwiegend hochradioaktiv)
bis zu 620.000 m³ Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung***
(schwach- und mittelradioaktiv)
* Anteil an der Gesamtaktivität aller radioaktiven Abfälle
** Abgebrannte Brennelemente und hochradioaktive Rückstände aus der Wiederaufarbeitung
*** Davon: bis zu 100.000 m3 gegebenenfalls zusätzlich anfallendes Abfallvolumen durch Rückstände aus der Urananreicherungsanlage Gronau bis zu 220.000 m3 zusätzlich anfallendes Abfallvolumen durch eine Rückholung der Abfälle aus der Schachtanlage Asse II ca. 300.000 m3 Abfälle aus dem Betrieb und Rückbau von Kernkraftwerken und Forschungseinrichtungen, aus der Industrie und zu einem geringen Teil aus der Medizin)

Wie viel


ist wo drin?

Grafik: Vier verschiedenfarbige Quader, die im entsprechenden Größenverhältnis nebeneinander das radioaktive Inventar eines CASTOR-Behälters mit den errechneten Inventaren aus der Schachtanlage Asse und dem Endlager Morsleben sowie dem im Endlager Konrad maximal einlagerbaren Inventar vergleichen. Der Quader für Konrad ist der größte, etwa doppelt so groß wie der CASTOR-Quader. Die Quader für Asse und Morsleben sind dagegen beide um ein vielfaches kleiner.

Radioaktives Material gemessen in Becquerel (Bq)

Stand: 31.12.2016

Inventar KONRAD maximal einlagerbar

5 x 1018 Becquerel

Inventar MORSLEBEN errechnet

2,3 x 1014 Becquerel

Inventar ASSE errechnet

2,3 x 1015 Becquerel

Inventar 1 CASTOR Typ V/19

bis zu 2 x 1018 Becquerel

„CASTOR“ steht für „Cask for Storage and Transport of Radioactive Material“ und bezeichnet verschiedene Bauarten von Behältern, die für den Transport und die Zwischenlagerung von bestrahlten Brennelementen aus Kernkraftwerken und Forschungsreaktoren sowie von hochradioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen konstruiert wurden. Die einzelnen CASTOR-Typen werden für unterschiedliche lnventarmengen genehmigt. Diese Darstellung bezieht sich auf den aktuell in den standortnahen Zwischenlagern verwendeten CASTOR des Typs V/19. Abhängig vom CASTOR-Typ kann diese Darstellung daher unterschiedlich ausfallen. Der tatsächliche Inhalt eines CASTOR-Behälters bleibt deutlich unter dem jeweils genehmigten Wert.

WOHIN MIT


DEM ABFALL?

Grafik: Eine 3D-visualisierte Landschaft zeigt in vereinfachter Form unterschiedliche  Entsorgungsoptionen radioaktiver Abfälle: Sie werden in einem Gletscher eingeschlossen, über das Meer ins Erdinnere eingebracht, in technischen Anlagen umgewandelt, in oberirdischen Zwischenlagern verwahrt, per LKW ins Ausland exportiert oder mittels Rakete ins All geschossen. Am rechten Rand der Grafik wird schließlich der international favorisierte Weg – die Endlagerung tief unter der Erde – gezeigt.

Diese Frage ist so alt wie die Nutzung der Kernenergie. Schon seit den 1950er Jahren suchen Wissenschaftler weltweit nach Möglichkeiten, hochradioaktive Abfälle zu entsorgen. Im Laufe der Jahrzehnte wurden verschiedene Ansätze diskutiert. Wenn es um die Bewertung geht, muss eine Frage im Vordergrund stehen: Wie können die gefährlichen radioaktiven Stoffe für geologische Zeiträume sicher von Mensch und Umwelt ferngehalten werden? Neben der Frage der Sicherheit spielen auch die technische Machbarkeit und die Rechtslage eine wichtige Rolle.

Ins "ewige" Eis?

Grafik: 3D-visualisierte Ansicht von drei Behältern mit radioaktiven Abfällen, die von einer dicken Eisschicht umschlossen sind.

Bereits in den 1950er Jahre wurde über die Endlagerung radioaktiver Abfälle im antarktischen Eis nachgedacht. Damals schien es verlockend, die Abfälle durch ihre Wärmeentwicklung selbstständig bis zur Gesteinsoberfläche unterhalb des „ewigen“ Eises absinken und verschwinden zu lassen. Die früheren Annahmen zur „Ewigkeit“ der antarktischen Eismassen sind heute auch wegen des Klimawandels nicht mehr haltbar. Damit einher geht eine nicht vorhersagbare Entwicklung der Gletscher. Zudem ist die Lagerung von radioaktiven Abfällen in der Antarktis völkerrechtlich verboten.

Ins Erdinnere?

Grafik: 3D-visualisierte Darstellung einer Plattform im Meer, von der aus ein Behälter mit radioaktiven Abfällen tief unter den Meeresboden verbracht wird. Durch weitere Behälter wird das allmähliche Absinken im Bereich von Subduktionszonen unter die Erdkruste angedeutet.

Es gibt Überlegungen, die Abfälle im Bereich sogenannter Subduktionszonen einzubringen, wo Erdplatten aneinander stoßen und eine Platte unter die andere Platte abtaucht. Die Idee ist, dass die radioaktiven Abfälle allmählich unter die Erdkruste absinken und dadurch dauerhaft von der Biosphäre ferngehalten werden. Es handelt sich dabei aber um ein gänzlich unerprobtes Verfahren und es ist unbekannt, ob sich die Abfälle damit langfristig sicher einschließen lassen. In Deutschland existieren zudem keine Subduktionszonen – ein Transport über internationale Seewege wäre damit zwingend. Völkerrechtlich ist die Einbringung von radioaktiven Abfällen in die See beziehungsweise die Endlagerung in Subduktionszonen untersagt.

Technisch


umwandeln?

Grafik: 3D-visualisierte Ansicht einer fiktiven technischen Anlage, die zunächst bestimmte Radionuklide aus den Abfällen abtrennt und sie dann in einem Reaktor nochmals umwandelt.

Seit vielen Jahren finden Theorien zur sogenannten „Partitionierung und Transmutation“ (P&T) großes Interesse. Dabei sollen langlebige Radionuklide aus den Abfällen abgetrennt und konzentriert werden. Diese würden dann in einem Reaktor mittels Neutronenbestrahlung in kurzlebige Isotope umgewandelt. Trotz intensiver internationaler Forschung ist ein Einsatz der Methode bislang noch nicht absehbar und es befindet sich weltweit keine entsprechende Anlage in Betrieb. Die „Partitionierung und Transmutation“ würde zudem auch im Idealfall nur zu einer Reduzierung der Abfallmenge führen, sodass immer noch radioaktiver Abfall zu entsorgen ist. Da die Methode Wiederaufarbeitungstechnik einsetzt, ist sie in Deutschland zudem gesetzlich verboten.

Einfach lassen


wie es ist?

Grafik: 3D-visualisierte Außenansicht einer oberirdischen Lagerhalle. Durch eine Aussparung in der Außenwand sieht man Behälter mit radioaktiven Abfällen.

In Deutschland werden die hochradioaktiven Abfälle derzeit in Zwischenlagern oberirdisch gelagert, deren Genehmigung auf 40 Jahre begrenzt ist. Können die Abfälle nicht einfach dort bleiben oder in ein neues, großes und sicheres Gebäude umgelagert werden? Die Sicherheit der oberirdischen Dauerlagerung ist abhängig von der Stabilität der Behälter und dem Umgang nachfolgender Generationen mit den Abfällen. Fest steht, dass die angefallenen radioaktiven Abfälle und der Zustand ihrer Behälter weiterhin ein Risiko für Mensch und Umwelt darstellen würden und über den gesamten Zeitraum der Lagerung regelmäßig kontrolliert werden müssten. Aufgrund der begrenzten Haltbarkeit der Behälter müssten die Abfälle zudem regelmäßig neu verpackt werden, was für die Beschäftigten jeweils mit einer zusätzlichen Strahlenbelastung verbunden ist.

Ins Ausland?

Grafik: 3D-visualisierte Darstellung eines LKWs, der mit einem großem Radioaktivitätszeichen markiert ist und vor einer Grenzanlage steht.

Einige Länder würden unsere hochradioaktiven Abfälle gegen entsprechende Zahlungen wahrscheinlich nehmen. Die Entwicklungen in anderen Ländern sind aber nicht vorhersagbar und damit kann auch die langfristige Sicherheit nicht garantiert werden. Der Export ins Ausland ist daher aus gutem Grund gesetzlich verboten. Die Endlagerung von radioaktiven Abfällen, die in Deutschland entstanden sind, soll auch in nationaler Verantwortung gelöst werden.

Ins Weltall?

Grafik: 3D-visualisierte Darstellung einer Weltraum-Rakete, die mit einem großen Radioaktivitätszeichen markiert ist und neben einer Startrampe steht.

Seit den 1970er Jahren wird der Transport von radioaktiven Abfällen in den Weltraum außerhalb des Erdgravitationsfeldes diskutiert. Neben der Lagerung auf anderen Planeten oder Asteroiden gibt es auch Überlegungen, den Müll direkt in die Sonne zu schießen. Im Prinzip ließen sich alle in der Bundesrepublik anfallenden radioaktiven Abfälle auf diesem Weg dauerhaft entsorgen. Allerdings birgt die Gefahr von Startunfällen in der Raumfahrt ein inakzeptabel hohes Risiko massiver Radionuklidfreisetzungen. Grund genug, um diesen Entsorgungsweg abzulehnen. Hinzu kommen ungelöste technische und weitere sicherheitsbezogene Fragen. Selbst im Erfolgsfall wären die immensen Kosten nach heutigem Kenntnisstand nicht finanzierbar. Völkerrechtlich ist die schädliche Verunreinigung des Weltraums zu vermeiden.

Am besten:


Unter die Erde

Grafik: 3D-visualisierte Darstellung eines Förderturms auf der Erdoberfläche. Darunter, verbunden durch einen Schacht, ein untertägiges Endlager, in dem Behälter mit radioaktiven Abfällen zu sehen sind.

International besteht unter Fachleuten mittlerweile Einigkeit: Der beste und sicherste Weg ist es, die verpackten Abfälle in Endlager tief unter der Erde einzulagern. Zu diesem Ergebnis kam auch die Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfälle. Dabei muss sichergestellt sein, dass am Standort des Endlagers stabile geologische Bedingungen vorhanden sind, die gegebenenfalls in Verbindung mit geotechnischen Barrieren und Behältern die radioaktiven Stoffe dauerhaft einschließen. Wichtig ist zudem eine mögliche Fehlerkorrektur. Darum sollen die hochradioaktiven Abfälle in Deutschland während des Einlagerungsbetriebs rückholbar sein und eine Bergung auch für 500 Jahre nach dem Verschluss des Endlagers möglich bleiben.

Endlager


gesucht!

Ein Blick in


die Zukunft

IN EINEM DIESER


GESTEINE WIRD DAS


ENDLAGER ERRICHTET

Zeichnung einer fiktiven Landschaft mit Schnitten durch die Erdoberfläche die einen Blick auf die geologischen Schichten darunter gewähren. Stark vereinfacht werden so die drei Wirtgesteine Salz, Ton und Granit gezeigt.

Bei der Auswahl des Standorts mit der bestmöglichen Sicherheit kommt es grundsätzlich nicht nur auf das Wirtsgestein an, sondern auch auf die geologische Gesamtsituation und die standortangepasste Kombination von Wirtsgestein und zugehörigem technischem wie organisatorischem Endlagerkonzept. Die Frage, ob Salz, Tonstein oder Kristallingestein am besten geeignet sind, kann ohne Angabe des jeweiligen Endlagerkonzeptes nicht abschließend beantwortet werden und stellt sich auf dieser Ebene nicht. (Zitat aus dem Abschlussbericht der Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe von 2016)

GRANIT/


KRISTALLINGESTEIN

Zeichnung: Granitblock ragt aus der Erdoberfläche heraus. Ein Schnitt durch die Erdoberfläche gewährt zudem den Blick auf den eigentlich verborgenen Teil des Kristallingesteins. Innerhalb dieses ist nochmals ein Teil ausgeschnitten um ins Innere des Gesteins blicken zu können. In dieser Aussparung sind verschiedene Symbole für verschiedene Gesteinseigenschaften dargestellt.
Temperatur­leitfähigkeit: MITTEL
Durch­lässig­keit: SEHR GERING (UNGEKLÜFTET) BIS DURCHLÄSSIG (GEKLÜFTET)
Festigkeit: HOCH
Verformungs­verhalten: SPRÖDE
Hohlraum­stabilität: HOCH (UNGEKLÜFTET) BIS GERING (STARK GEKLÜFTET)
Gesteins­spannungen (In-situ Spannungen): UNGLEICHMÄSSIG IN ALLE RICHTUNGEN (ANSITROP)
Löslichkeit: SEHR GERING
Rückhaltevermögen von Radionukliden im Gestein (Sorptionsverhalten): MITTEL BIS HOCH
Temperatur­verträg­lich­keit: HOCH (Bezieht sich nur auf das Kristallingestein, nicht auf die geotechnischen Barrieren.)

Die für die drei Wirtsgesteine vorgenommene Auswahl und Bewertung der Eigenschaften stammen aus der Studie „Endlagerung radioaktiver Abfälle in Deutschland“ der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) von 2007. Bei der Suche nach einem geeigneten Endlagerstandort ist eine sehr differenzierte Betrachtungsweise notwendig, die viel mehr Aspekte berücksichtigt, als in dieser vereinfachten Darstellung abgebildet sind. Beim Wirtsgestein Kristallin werden die eigentlichen Sicherheits- und Barrierefunktionen nicht vom Wirtsgestein, sondern von einem System technischer und geotechnischer Barrieren (langzeitbeständige Endlagerbehälter und Verfüllmaterialien) erbracht. Das Wirtsgestein Kristallin ist daher im Standortauswahlverfahren unter Berücksichtigung eines geotechnischen Barrierekonzeptes zu betrachten.

SALZ/


SALZGESTEIN

Zeichnung: Ein Salzstock unter der Erdoberfläche ist durch den Schnitt durch die Erdoberfläche sichtbar. Innerhalb des Salzgesteins ist nochmals ein Teil ausgeschnitten um in das Innere blicken zu können. In dieser Aussparung sind verschiedene Symbole für verschiedene Gesteinseigenschaften dargestellt.
Temperatur­leit­fähig­keit: HOCH
Durch­lässig­keit: PRAKTISCH UNDURCHLÄSSIG
Festigkeit: MITTEL
Verformungs­verhalten: VISKOS (KRIECHEN)
Hohlraum­stabilität: EIGENSTABILITÄT
Gesteins­spannungen (In-situ Spannungen): GLEICHMÄSSIG IN ALLE RICHTUNGEN (LITHO­STATISCH ISOTROP)
Löslichkeit: HOCH
Rückhalte­vermögen von Radio­nukliden im Gestein (Sorptions­verhalten): SEHR GERING
Temperatur­ver­träg­lich­keit: HOCH

Die für die drei Wirtsgesteine vorgenommene Auswahl und Bewertung der Eigenschaften stammen aus der Studie „Endlagerung radioaktiver Abfälle in Deutschland“ der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) von 2007. Bei der Suche nach einem geeigneten Endlagerstandort ist eine sehr differenzierte Betrachtungsweise notwendig, die viel mehr Aspekte berücksichtigt, als in dieser vereinfachten Darstellung abgebildet sind. Beim Wirtsgestein Kristallin werden die eigentlichen Sicherheits- und Barrierefunktionen nicht vom Wirtsgestein, sondern von einem System technischer und geotechnischer Barrieren (langzeitbeständige Endlagerbehälter und Verfüllmaterialien) erbracht. Das Wirtsgestein Kristallin ist daher im Standortauswahlverfahren unter Berücksichtigung eines geotechnischen Barrierekonzeptes zu betrachten.

TON/


TONGESTEIN

Zeichnung: Ein Tonsteinschicht unter der Erdoberfläche ist durch den Schnitt durch die Erdoberfläche sichtbar. Innerhalb des Tons ist nochmals ein Teil ausgeschnitten um in das Innere des Gesteins blicken zu können. In dieser Aussparung sind verschiedene Symbole für verschiedene Gesteinseigenschaften dargestellt.
Temperatur­leitfähigkeit: GERING
Durch­lässig­keit: SEHR GERING BIS GERING
Festigkeit: GERING BIS MITTEL
Verformungs­verhalten: PLASTISCH BIS SPRÖDE
Hohlraum­stabilität: AUSBAU NOTWENDIG
Gesteins­spannungen (In-situ Spannungen): UNGLEICHMÄSSIG IN ALLE RICHTUNGEN (ANSITROP)
Löslichkeit: SEHR GERING
Rückhalte­vermögen von Radio­nukliden im Gestein (Sorptions­verhalten): SEHR HOCH
Temperatur­ver­träg­lich­keit: GERING

Die für die drei Wirtsgesteine vorgenommene Auswahl und Bewertung der Eigenschaften stammen aus der Studie „Endlagerung radioaktiver Abfälle in Deutschland“ der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) von 2007. Bei der Suche nach einem geeigneten Endlagerstandort ist eine sehr differenzierte Betrachtungsweise notwendig, die viel mehr Aspekte berücksichtigt, als in dieser vereinfachten Darstellung abgebildet sind. Beim Wirtsgestein Kristallin werden die eigentlichen Sicherheits- und Barrierefunktionen nicht vom Wirtsgestein, sondern von einem System technischer und geotechnischer Barrieren (langzeitbeständige Endlagerbehälter und Verfüllmaterialien) erbracht. Das Wirtsgestein Kristallin ist daher im Standortauswahlverfahren unter Berücksichtigung eines geotechnischen Barrierekonzeptes zu betrachten.

Was machen sie


in Frankreich

Ausschnitt einer Europakarte: Frankreich ist gelb markiert. Im rechten oberen Bereich markiert ein schwarzer Punkt die Lage der Tonformation in den Departements Meuse und Haute-Marne.

Wirtsgestein

Tonformation in den Departements Meuse und Haute-Marne

Aktueller Stand

Die nationale Gesellschaft für radioaktive Abfälle, kurz ANDRA (Agence Nationale pour la Gestion des Déchets Radioactifs), plant die Errichtung des Tiefenlagerprojekts Cigéo in einer Tiefe von 500 Metern. Im Endlager sollen 80.000 Kubikmeter langlebige mittel-und hochradioaktive Abfälle gelagert werden. Die Konzeption sieht vor, dass die Stahlbehälter mit den radioaktiven Abfällen mindestens 100 Jahre rückholbar gelagert werden sollen. Nach langjährigen Arbeiten wurde das grundsätzliche technische Konzept 2015 fertiggestellt. Den Planungen zufolge soll 2018 der Bauantrag an die französische Behörde für nukleare Sicherheit ASN übermittelt und 2021 die Baugenehmigung erteilt werden. Die industrielle Pilotphase, beginnend mit der Handhabung inaktiver Dummy-Behälter, ist ab 2025 vorgesehen. Ab dem Jahr 2035 soll das Endlager in den Routinebetrieb übergehen. Aktuelle rechtliche Auseinandersetzungen zwischen der staatlichen Betreibergesellschaft und Anti-Atom-Organisationen könnten den Inbetriebnahmetermin gefährden.

Bürgerbeteiligung

Die ANDRA verfolgt das Ziel, die Zivilgesellschaft verstärkt in die Entscheidungsfindung einzubeziehen. Sie hat daher unter anderem beschlossen, einen pluralistischen Ausschuss einzurichten, der unter Berücksichtigung von gesellschaftlichen Fragestellungen Leitlinien für das Verfahren entwickeln soll.

Was machen sie


in der Schweiz

Ausschnitt einer Europakarte: Die Schweiz ist gelb markiert. Im mittelren/rechten Bereich markieren drei schwarze Punkte die Lage der Tonformationen in den Standortgebieten Zürich Nordost, Jura Ost sowie Nördlich Lägern.

Wirtsgestein

Tonformationen in den Standortgebieten Zürich Nordost und Jura Ost sowie Nördlich Lägern

Aktueller Stand

Als potenzielle Endlagerstandorte hat die Nagra (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle) Zürich Nordost und Jura-Ost präsentiert. Beide bieten die Möglichkeit, schwach- und mittelradioaktive Abfälle wie auch hochradioaktive Abfälle zu lagern. Der Entscheidungsprozess über die Fortführung eines weiteren Standortgebiets (Nördlich Lägern) ist noch nicht abgeschlossen. Die grundlegenden Eigenschaften des Opalinustons werden im Felslabor Mont Terri im Kanton Jura untersucht. Die Nagra will die Standortgebiete voraussichtlich ab 2018 vertieft untersuchen. Mit der Festlegung eines Standortes durch den Bundesrat wird im Jahr 2027 gerechnet. Das Parlament muss diesen Entscheid genehmigen. Der Parlamentsentscheid wiederum untersteht dem fakultativen Referendum. Sofern dieses ergriffen wird, entscheidet das Schweizer Stimmvolk etwa 2029 über die Standorte. Ein Endlager für hochradioaktive Abfälle wird nach der aktuellen Zeitplanung voraussichtlich ab 2060 zur Verfügung stehen.

Bürgerbeteiligung

Zentraler Bestandteil ist die regionale Partizipation: Vertreterinnen und Vertreter aus den Standortregionen bringen ihre Anliegen in das Verfahren mit ein. Dieses beinhaltet unter anderem eine öffentliche Anhörung zu den Vorschlägen, Gutachten und Stellungnahmen, an der auch die Nachbarstaaten beteiligt werden.

Was machen sie


in Finnland

Ausschnitt einer Europakarte: Finnland ist gelb markiert. Im unteren linken Bereich markiert ein schwarzer Punkt die Lage des Granits unter der Insel Olkiluoto.

Wirtsgestein

Granit unter der Insel Olkiluoto

Aktueller Stand

Das Einlagerungskonzept des Betreibers Posiva sieht zum Schutz vor andringendem Kluftwasser vor, die ausgedienten Brennelemente in dicht verschlossenen, mit Kupfer ummantelten Behältern in das Endlager zu verbringen und diese mit quellfähigem Ton (Bentonit) zu umhüllen. Geplant ist, die Behälter vertikal in Bohrlöchern oder horizontal in Einlagerungstunnels einzulagern. Die Einlagerungstunnels werden mit komprimierten Tonblöcken verschlossen. Untersucht wurde die Eignung des Untergrundes an vier Standorten. Alle Standorte wurden als geeignet eingestuft. Am 12. November 2015 genehmigte die finnische Regierung den Bau des weltweit ersten Endlagers für hochradioaktive Abfälle Onkalo (deutsch: Höhle). Bis 2020 soll der Antrag für die Betriebsgenehmigung eingereicht werden. Die Einlagerung in 400 – 450 Meter Tiefe soll voraussichtlich in den 2020er Jahren beginnen.

Bürgerbeteiligung

Nach intensiver Öffentlichkeitsarbeit durch die Behörden und den Betreiber hat sich die Gemeinde Eurajoki bereit erklärt, die Endlagerung zu unterstützen. Sie ist bereits Standort eines Atomkraftwerks und eines Endlagers für schwachradioaktive Abfälle. Weiterhin wird dort ein Kernkraftwerk neuen Bautyps gebaut.

Schweiz: Stand


der Endlagersuche

Finnland: Stand


der Endlagersuche

WAS WAR WANN?


60 JAHRE KERNENERGIENUTZUNG


UND ENDLAGERSUCHE

Gorleben –


Ein Rückblick

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